Berechnung des Kontrahenten-Ausfallrisikos nach dem SA-CCR

 

Ende Juni 2021 ändert sich das Verfahren zur Berechnung von Ausfallrisiken gegenüber Kontrahenten aus Derivaten. Diese Änderung wirkt sich auch auf das sog. CRR CRD IV Kunden-Reporting aus, mit dem Asset Managern die Institute dabei unterstützen, den Transparenzansatz für die Berechnung der Eigenmittelhinterlegung von Fonds anzuwenden.

 

Die für den Service gängige Marktbewertungsmethode wird ab Juni 2021 durch den sog. „Standard Approach for Counterparty Credit Risk“ (SA-CCR) abgelöst. Dieses Verfahren ist methodisch deutlich komplexer und verlangt die Bereitstellung von zusätzlichen Daten. Ganz wesentlich werden dabei Informationen zu möglichen Netting Agreements mit den verschiedenen Kontrahenten sein. Für die richtige Anwendung des SA-CCR müssen zahlreiche Fragen beantwortet werden:

  • Mit welchen Kontrahenten bestehen Netting Agreements?
  • Für welche Fonds gelten diese Vereinbarungen?
  • Welche Derivate eines Fonds fallen unter das jeweilige Netting Agreement?
  • Erfüllen die Vereinbarungen die Anforderungen der CRR?
  • Existieren Margin-Vereinbarungen mit den Kontrahenten?
  • Falls ja, welche Parameter wurden hinsichtlich der Initial Margin und der Variation Margin festgelegt?

IDS wird die notwendige Infrastruktur schaffen, um diese Daten verarbeiten zu können. Dabei wird es möglich sein, die Daten je Kontrahenten Schritt zu Schritt zu erheben und damit die Grundlage für die Berechnung des SA-CCR laufend zu verbessern.

 

Was geschieht in der Zwischenzeit für jene Derivate, für die die Daten noch nicht erhoben wurden? In diesen Fällen wird IDS die betroffenen Derivate so behandeln, als gäbe es für sie kein Netting Agreement. Dadurch geht ggf. die Möglichkeit eines Netting von gegenläufigen Risikopositionen verloren, und die von IDS berechneten Risiken wären überschätzt. Es wird erwartet, dass eine systematische Überschätzung von Risiken aus aufsichtsrechtlicher Sicht akzeptabel ist. Allerdings steigt damit auch die auszuweisende Solvency Ratio, den die Asset Manager an ihre Kun-den berichten. Wie stark diese Ratio steigt, hängt davon ab, in welchem Umfang ein Fonds in Derivate investiert, für wie viele dieser Derivate keine Informationen zu den Netting Agreements vorliegen und in welchem Umfang sich gegenläufige Risiken bei Vorliegen vollständiger Informationen ausgleichen würden. Und diese Punkte werden von Fonds zu Fonds unterschiedlich sein.

 

 

Berechnung von Kontrahenten-Ausfallrisiken bis Juni 2021

Allgemein werden die Eigenmittel, die von einem Institut für Kreditrisiken zu hinterlegen hat, aus Risikopositionswert hergeleitet. Dieser Betrag wird zunächst mit dem Risikogewicht multipliziert, einem Faktor, der sich aus Art der Forderung und Art des Schuldners sowie aus dessen Kredit-Rating ergibt. Das Ergebnis, der risikogewichtete Positions-wert, ist anschließend mit der vom Institut angestrebten Eigenmittel-Quote zu gewichten; das Ergebnis sind die Eigenmittelanforderungen für ein einzelnes Investment:

 

 

 

Bis Juni 2021 berechnet IDS das Kontrahenten-Ausfallrisiko für Derivate nach der Marktbewertungsmethode gem. Art. 274 CRR. In dieser Methode wird im Grund aber nur festgelegt, wie der Risikopositionswert für Derivate zu berechnen ist. Dem ist voranzustellen, dass ein Derivat mit zwei Arten von Ausfallrisiken verbunden ist, dem Ausfall des Kontrahenten aus dem Derivat selbst und dem Ausfall des Underlying des Derivats, falls dies selbst ein emittiertes Finanzinstrument ist. Bei der Berechnung des Kontrahenten-Ausfallrisikos geht es nur um die erste der beiden Risikoarten.

 

Für allen Kassa-Instrumente entspricht der Risikopositionswert einfach dem (positiven) Buchwert der Position, was im Falle der Fondsholdings in der Regel einfach der Marktwert zum Bewertungsstichtag ist. Für Derivate wird der Risikopositionswert als „Wiederbeschaffungswert“ bezeichnet. Dieser Betrag setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

  • Der aktuelle Wiederbeschaffungswert entspricht dem aktuellen Marktwert des Derivats. Dieser Wert wird allerdings nach unten auf „Null“ beschränkt, d.h. negative Marktwerte gehen nicht risikomindernd in die Berechnung des Forderungswertes ein.
  • Der zukünftige potenzielle Wiederbeschaffungswert ist der Positionswert im Underlying, multipliziert mit einem Faktor, der aus der Risikoklasse (Zinsen, Aktien, Fremdwährung oder Waren) und der Laufzeitklasse (bis zu einem Jahr, bis zu fünf Jahre, mehr als fünf Jahre) des Derivats herleitet. Der Positionswert des Underlying ist je nach Art des Derivats bspw. der zugrundeliegende Nominalbetrag, die Standardkontraktgröße oder die Anzahl von Underlying-Instrumente mal ihrem aktuellen Marktpreis. Inhaltlich beschreibt der zukünftige potenzielle Wiederbeschaffungswert den Betrag, um den sich der aktuelle Wiederbeschaffungswert noch erhöhen kann, bis sich der Fonds bei Ausfall des Kontrahenten aus einem Derivat am Markt glattstellen oder neu eindecken kann.

Dieser Betrag ist immer positiv. Bei seiner Berechnung ist es unerheblich, ob durch das Derivat eine Long- oder eine Short-Position im Underlying begründet wird. Mögliche risikomindernde Effekte aus gegenläufigen Positionen im gleichen oder einem vergleichbaren Underlying bleiben unberücksichtigt.

Der gesamte Wiederbeschaffungswert eines Derivats ist gleich der Summe aus beiden Beträgen:

 

 

Berechnung von Kontrahenten-Ausfallrisiken ab Juli 2021

Ab Juli 2021 wird die Marktbewertungsmethode nicht mehr zulässig sein. Als Ersatz bietet die neue CRR vier Ansätze an, von denen aber nur der „Standard Approach for Counterparty Credit Risk“ (SA-CCR) von praktischer Bedeutung für das CRR CRD IV Reporting sein wird:

  • Mit der Ursprungsrisikomethode nach Art. 273a (2) und dem vereinfachten SA-CCR nach Art. 273a (1) bietet die CRR II zwei vergleichsweise einfache Verfahren an. Ihre Verwendung ist aber auf Institute beschränkt, die Derivate nur in einem sehr eingeschränkten Umfang einsetzen. Dazu sind in der Regulierung Grenzwerte festgelegt, die sich auf den Gesamtbestand der Derivate eines Instituts beziehen (nicht auf die Derivate in einem Fonds). Diese Grenzwerte sind von einem Asset Manager oder von IDS nicht prüfbar. Darüber hinaus werden nur sehr kleine Institute unter diese Regelung fallen. Für alle größeren Kunden muss auf eine der beiden folgenden Methoden zurückzugreifen.
  • Nach Art. 283 CRR II können wie bisher auch interne Modelle angewendet werden. Die Entwicklung solcher Verfahren ist aufwändig, und sie müssen von den Aufsichtsbehörden abgenommen werden. Daher scheiden sie für die Zwecke eines kosteneffizienten Kunden-Reporting aus.
  • Als einziger Ansatz bleibt damit der „vollständige“ SA-CCR gemäß 274 CRR II. Nach gängiger Meinung wird er sich zum neuen Standard für die Berechnung von Kontrahenten-Ausfallrisiken entwickeln.

Wie die Marktbewertungsmethode auch wird im SA-CCR nach aktuellen und dem zukünftigen potenziellen Wiederbeschaffungswert unterschieden. Die Berechnungen dieser Beträge unterscheiden sich aber in zahlreichen Punkten deutlich von der Marktbewertungsmethode.

 

 

Mehrstufige Klassifizierung der Derivate

Für den SA-CCR müssen alle Derivate nach verschiedenen Kriterien hierarchisch klassifiziert werden. Auf einzelnen Hierarchien werden dann jeweils unterschiedliche Berechnungen durchgeführt; was jeweils wo zu berechnen ist, wird in den folgenden Abschnitten erläutert. Die folgenden Ebenen sind für die Klassifizierung der Derivate zu berücksichtigen:

 

Zunächst sind alle Derivate nach ihren Kontrahenten und dann nach den Netting Agreements zusammenzufassen. Eine Gruppe von Derivaten, die unter das gleiche Netting Agreement fallen, wird als Netting Set bezeichnet. Ein Netting Agreement ist eine Vereinbarung zwischen den beiden Parteien, die besagt, dass im Falle des Ausfalls einer der beiden Parteien zunächst alle Forderungen und Verbindlichkeiten aus Derivaten miteinander verrechnet werden, bevor die andere Partei einen Anspruch in Höhe des Saldos geltend gemacht werden kann.

 

Die Zuordnung von Derivaten zum gleichen Netting Set ist Voraussetzung dafür, dass bei der Berechnung des Kontrahenten-Ausfallrisikos gegenläufige Risiken ganz oder teilweise miteinander verrechnet werden können. Die Bildung von Netting Sets führt also in der Tendenz zu einer Verringerung des berechneten und mit Eigenmitteln zu hinterlegenden Risikos. Wird auf die Bildung von Netting Sets verzichtet, ist eine solche Verrechnung nicht möglich, und der Risikobetrag steigt tendenziell an. Wie stark er ansteigt, hängt von verschiedenen Faktoren ab und lässt sich a priori nicht sagen.

 

Die Netting Sets müssen allerdings bestimmte regulatorische Anforderungen erfüllen, um im Rahmen des SA-CCR anerkannt werden zu können. Um die Kriterien prüfen zu können, muss Einblick in die Verträge genommen werden. Deshalb wird diese Prüfung nicht von IDS unterstützt, und es wird davon ausgegangen, dass die an IDS berichteten Netting Agreements den Kriterien der CRR II entsprechen. 

Innerhalb der Netting Sets sind die Derivate den fünf Risikoklassen Währung, Zins, Beteiligung, Kredit und Waren zuzuordnen. Diese Risikoklassen sind zum Einen eine Voraussetzung zur Bildung von Hedging Sets, denn nur Derivate der gleichen Risikoklasse können potenziell auch ein gemeinsames Hedging Set bilden. Zum anderen hat die Zuordnung zu einer Risikoklasse aber auch Einfluss auf die Berechnung des Positionswertes des Underlying; siehe dazu unten.

 

Abschließend sind die Hedging Sets zu bilden. Ein Hedging Set ist eine Gruppe von Derivaten des gleichen Netting Set und der gleichen Risikoklasse, die darüber hinaus auf das gleiche oder ein gleichartiges Underlying lauten. Kriterien für die Zusammenfassung von Derivaten zu einem Hedging Set sind bspw. gleiches Währungspaar (bei Derivaten auf Währungen), gleiche Währung und gleiches Laufzeitband (bei Zinsderivaten) oder gleiches Unternehmen (bei Beteiligungs- oder Kreditderivaten).

Aktueller Wiederbeschaffungswert

In der Marktbewertungsmethode ist der aktuelle Wiederbeschaffungswert eines Derivats einfach der positive Marktwert des Derivats; negative Marktwerte bleiben unberücksichtigt. Im SA-CCR können positive und negative Marktwerte aus Derivaten, die zum gleichen Netting Set gehören, miteinander verrechnet werden. Vom Saldo können sogar Sicherheiten (nach Haircut) abgezogen werden. Aber auch im SA-CCR gilt, dass der resultierende Betrag nicht kleiner als Null sein kann. Er kann aber deutlich kleiner sein als in der Marktbewertungsmethode.

 

Zum Teil ist ein Netting Agreement mit einem Margin Agreement und mit Nachschusspflichten im Falle sich ändernder Marktwerte der Derivate verbunden; bei börsengehandelten  Derivaten ist das gängige Praxis. In diesem Fall sind die Margin-Parameter in die Berechnung des aktuellen Wiederbeschaffungswertes einzubeziehen. Diese Parameter wer-den in der Regulierung  als TH für Threshold, MTA für Minimum Transfer Amount und NICA für Net Independent Col-lateral Amount bezeichnet. Sie sollen das Risiko abbilden, dass zwar ein Anspruch auf Sicherheiten besteht, diese aber noch nicht gestellt wurden, weil die vereinbarten Schwellenwerte noch nicht überschritten wurden. Aber auch bei Einbeziehung dieser Margin-Parameter gilt der Grundsatz, dass der Wiederbeschaffungswert nicht unter Null fallen kann.

Adjustierung des Positionswertes im Underlying

In der Marktbewertungsmethode wird der zukünftige potenzielle Wiederbeschaffungswert aus dem Positionswert des Derivats im Underlying hergeleitet. Das ist, wie gesagt, bspw. der zugrunde liegende Nominalbetrag, die Menge der durch das Derivat gehandelten Instrumente mal ihrem aktuellen Marktpreis. Die konkrete Art der Berechnung hängt davon ab, wie das Underlying gehandelt wird (z.B. in Stücken, in Nominalbeträgen oder in Indexpunkten) und wie das Derivat ausgestaltet ist (bspw. mit oder ohne Standard-Kontraktgröße).

 

Der SA-CCR geht grundsätzlich von den gleichen Positionswerten aus. Allerdings sind diese Werte – abhängig von der Risikoklasse und/oder von der Art des Derivats – zu adjustieren. Die Positionswerte aller Optionen – unabhängig von der Risikoklasse – sind mit einem „Supervisory Delta“ zu gewichten, dessen Berechnung in der Regulierung vorgegeben ist. Die Positionswerte aller Derivate der Risikoklassen „Zins“ und „Kredit“ sind mit einer „Supervisory Duration“ zu gewichten. Dessen Berechnung ist ebenfalls in der Regulierung vorgegeben. In diese Berechnung geht allerdings nicht die Fälligkeit des Derivats, sondern die des Underlying ein. So ist bei einer Option auf einen Bond Future auf die Fälligkeit der dem Future zugrunde liegenden Anleihe abzustellen. Bei Optionen der Risikoklassen „Zins“ und „Kredit“ sind beide Faktoren zu berücksichtigen.

Zukünftiger potenzieller Wiederbeschaffungswert – Hedging Set

In der Marktbewertungsmethode wird der zukünftige potenzielle Wiederbeschaffungswert aus dem Positionswert im Underlying berechnet. Dazu wird der Positionswert mit einem Faktor gewichtet, dessen Höhe von der Risikoklasse und der Restlaufzeit des Derivats abhängt.


Im SA-CCR wird der zukünftige potenzielle Wiederbeschaffungswert ebenfalls aus dem (bereits adjustierten) Positionswert im Underlying hergeleitet. Anders als in der Marktbewertungsmethode dürfen diese Positionswerte aber miteinander verrechnet werden, wenn die Derivate dem gleichen Hedging Set zugeordnet sind und sich damit auf das gleiche oder ein vergleichbares Underlying beziehen. Eine solche „Verrechnung“ oder Saldierung wirkt sich dann risikomindernd aus, wenn die Derivate gegenläufige Positionen im Underlying begründen, d.h. es sich teils um Long- und teils um Short-Positionen handelt; andernfalls werden die Positionswerte einfach addiert. Der so berechnete aggregierte Positionswert eines Hedging Set wird als der „Add-On“ des Hedging Set bezeichnet. Der Wert ist anschließend noch mit einem „Supervisory Factor“ zu gewichten, der durch die Regulierung vorgegeben ist und sich nach der Risikoklasse und teilweise weiteren Kriterien unterscheidet. Das Vorzeichen dieses gewichteten Add-On ist immer positiv, unabhängig davon, ob in einem Hedging Set Long- oder Short-Positionen überwiegen.

 

Das Add-On auf Ebene des Hedging Set ist aber noch nicht der zukünftige potenzielle Wiederbeschaffungswert. Es folgen weitere Rechenschritte, mit denen die Beträge stufenweise über die Risikoklassen und dann bis zum Netting Set aggregiert werden.

Zukünftiger potenzieller Wiederbeschaffungswert – Aggregation

Zunächst sind die Add-On-Beträge über die Risikoklassen zu aggregieren. Dabei kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Für die Risikoklasse „Währung“ werden die Add-On-Beträge aller Hedging Sets einfach addiert.

 

Für die Risikoklasse „Beteiligung“ werden die Add-On-Beträge unter Berücksichtigung von Korrelationskoeffizienten aggregiert, wobei die Koeffizienten in der Regulierung vorgegeben sind. Für die Risikoklassen „Kredit“ und „Waren“ wird das gleiche Verfahren verwendet, allerdings unterscheiden sich die vorgegebenen Koeffizienten zum Teil. Für die Risikoklasse „Zins“ werden zunächst die Add-On-Beträge der unterschiedlichen Laufzeitbänder der gleichen Währung über eine Korrelationsmatrix aggregiert, wobei auch hier die Korrelationskoeffizienten vorgegeben sind. Das Ergebnis einer solchen Rechnung ist der Add-On-Betrag einer Währung. Anschließend werden die Add-On-Beträge aller Währungen einfach addiert.

 

Die Ergebnisse dieser komplexen und teils mehrstufigen Aggregation sind aber erst die Add-On-Beträge der einzelnen Risikoklassen eines Netting Set. Diese Beträge sind dann über alle Risikoklassen desselben Netting Set zu addieren. Das Ergebnis wird anschließend mit einem Faktor gewichtet, der zwischen 0,05 und 1 liegen kann und der um so kleiner ist, je stärker ein Netting Set mit Sicherheiten überbesichert ist, d.h. je mehr der Wert der Sicherheiten den Netto-Marktwert aller Derivate des Netting Set übersteigt.

 

Das Ergebnis, dass sich aus diesem letzten Rechenschritt ergibt, ist schließlich der zukünftige potenzielle Wiederbeschaffungswert des Netting Set. 

Risikopositionswert des Netting Set

Der letzte Schritt ist vergleichsweise einfach. Der aktuelle Wiederbeschaffungswert und der zukünftige potenzielle Wiederbeschaffungswert des Netting Set sind zu addieren, und die Summe ist mit einem als „Alpha“ bezeichneten Faktor von 1,4 zu gewichten. Das Ergebnis ist der Risikopositionswert des Netting Set. Dieser Wert ist dann mit dem Risikogewicht des Kontrahenten zu multiplizieren, um den risikogewichteten Positionswert zu berechnen.

Ausweis der Ergebnisse

Aus den vorangehenden Abschnitten ergibt sich, dass der Risikopositionswert nicht mehr für ein einzelnes Derivat, sondern für eine Gruppe von Derivaten, d.h. für ein Netting Set, berechnet wird. Das hat Auswirkungen auf den Aus-weis der Risiken in den unterschiedlichen Berichten des CRR CRD IV Kunden-Reporting. Dort, wo nur aggregierte Werte berichtet werden – wie der Solvency Amount, die Solvency Ratio oder die Fremdwährungspositionen – ändert sich nichts. Gleiches gilt für die Berichte an WM Datenservice. Im GroMiKV, im Capital Deduction Report und vor allem im neuen Disclosure Report müssen die Netting Sets aber als neue Positionen mit aufgenommen werden, um die ermittelten Risikopositionswerte ausweisen zu können.

Möglichkeiten und Konsequenzen von Vereinfachungen

Die Umsetzung des neuen SA-CCR ist komplex – sowohl in technischer Hinsicht als auch in Bezug auf die Beschaffung der dafür notwendigen Daten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Vereinfachungen möglich und zulässig sind.

 

Bestimmte Aspekte des Verfahrens sind unverzichtbar. Dazu zählt die Gewichtung der Positionswerte im Underlying mit der Supervisory Duration, dem Supervisory Delta sowie dem Supervisory Factor. Die Derivate sind auch zwingend nach den Risikokategorien zu klassifizieren, da die genannten Faktoren sich nach diesen Kategorien unterscheiden. Darüber hinaus ist die Berücksichtigung der Margin-Parameter TH, MTA und NICA obligatorisch, falls eine Nach-schuss-Vereinbarung besteht.

 

Anderes gilt nach Auffassung von IDS für die Netting Sets. Kann ein Derivat nicht einem vom Kunden genannten Netting Set zugeordnet werden, dann bildet es technisch sein eigenes Netting Set. Das hat zur Folge, dass bei den Berechnungen des aktuellen und des zukünftigen potenziellen Wiedereindeckungswertes keine Saldierungen von gegenläufigen Derivaten erfolgen können. Mögliche risikomindernde Effekte gehen verloren. Das Risiko kann durch den Verzicht auf die Bildung von Netting Sets nur überschätzt, aber nicht unterschätzt werden. Daher wird ein solches Verfahren als zwar konservativ, aber zulässig eingeschätzt.

Falls ein Netting Set nur ein einzelnes Derivat enthält, dann enthält es auch nur ein Hedging Set. Damit entfallen die teils komplexen, mehrstufigen Aggregationen der Add-On-Beträge verschiedener Hedging Sets.

Der „Preis“ für eine solche Vereinfachung ist allerdings, wie gesagt, eine Überschätzung des Risikos und damit des Solvency Amount. Wie hoch diese Überschätzung ausfällt, lässt sich nicht allgemein sagen. Der Effekt hängt von verschiedenen Faktoren ab – generell von der Menge der Derivate in einem Fonds und der Menge von Derivaten mit einem einzelnen Kontrahenten, insbesondere aber von der Möglichkeit der Saldierung positiver und negativer Marktwerte und der Berücksichtigung von Hedge-Effekten aus Derivaten auf das gleiche Underlying, sofern die Derivate mit dem gleichen Kontrahenten vereinbart wurden.

 

 

Benötigte Daten

Voraussetzung für die Berechnung des SA-CCR ist vor allem die Information über bestehende Netting-Vereinbarungen. Hierzu benötigt IDS eine separate Lieferung von seinen Kunden in einem vorgegebenen Format. Eine Anpassung der bestehenden Lieferformate ist nicht notwendig. Die zusätzliche Lieferung muss auch nicht monatlich erfolgen. Es genügt, wenn die Daten per Juni 2021 und dann im Falle von Änderungen zur Verfügung gestellt werden.


Es ist damit zu rechnen, dass die Beschaffung der Daten mit Aufwand verbunden sein wird. Deshalb ist es möglich, sich bei der erstmaligen Lieferung der Daten auf die wesentlichen Netting-Vereinbarungen zu konzentrieren und die Informationen zu späteren Zeitpunkten zu ergänzen.


IDS geht davon aus, dass nur solche Netting-Vereinbarungen angeliefert werden, die den Voraussetzungen der CRR II entsprechen. Die Prüfung, ob eine Netting-Vereinbarung den regulatorischen Anforderungen genügen, kann nicht durch IDS erfolgen und ist nicht Teil des Services.

Wie geht es weiter?

Derzeit laufen die Projekte zur Umsetzung des SA-CCR im Service von IDS. Die Kunden sollten ab sofort mit der Beschaffung der notwendigen Daten beginnen. Diese Daten sollten ab Juni 2021 für Testzwecke an IDS geliefert werden. Ab Juli 2021 wird der neue SA-CCR angewendet. Sofern verfügbar, werden dabei Informationen über Netting-Vereinbarungen berücksichtigt; andernfalls wird ein Derivat als sein eigenes Netting Set behandelt, und die Möglichkeit der risikomindernden Berücksichtigung von gegenläufigen Effekten geht verloren. Die Informationen über die Netting-Vereinbarungen können aber auch zu einem späteren Zeitpunkt geliefert oder aktualisiert werden, um die Datenbasis sukzessive zu verbessern und den Solvency Amount Schritt für Schritt im Interesse der Investoren zu reduzieren.