Änderung des Standard-Risikogewichts für intransparente Fonds

 

Per Ende Juni 2021 erhöht sich das Standard-Risikogewicht für intransparente Fonds von derzeit 100% auf dann 1250%. Institute müssen dann ihre Investitionen in Fonds, sofern sie keinen anderen zulässigen Ansatz wählen, in voller Höher mit haftenden Eigenmitteln hinterlegen. Fondsinvestments würden dann in gleicher Weise behandelt wie beispielsweise Wiederverbriefungen.

 

Institute wenden in der Regel den Transparenzansatz an und lassen sich dazu die notwendigen Daten von ihren Asset Managern zur Verfügung stellen. Daher ist diese Änderung auf den ersten Blick nicht von Bedeutung. Diese Einschätzung täuscht aber, wenn der Fonds in einem nicht unerheblichen Umfang selbst in anderen Fonds investiert ist. In diesem Fall ist nämlich das deutlich höhere Risikogewicht auf diese anderen Fonds, den sog. Zielfonds, anzuwenden, falls auf sie kein Transparenzansatz möglich ist. Dazu ist aber die Beschaffung der Holding-Informationen für die Zielfonds notwendig. Dies kann sich in der Praxis als problematisch herausstellen und erfordert zusätzliche Anstrengungen und Prozesse, insbesondere dann, wenn diese Zielfonds nicht vom IDS-Kunden selbst, sondern einem fremden Asset Manager nicht von der eigenen Gesellschaft verwaltet werden.

 

 

Behandlung von Fonds in der CRR vor Juni 2021

 

Die Capital Requirement Regulation (EU) 575/2013 regelt unter anderem, wie Institute ihre Kreditrisiken, Marktpreisrisiken und operationellen Risiken zu berechnen und mit haftenden Eigenmitteln zu hinterlegen haben¹. Für die Berechnung der Kreditrisiken stehen drei Ansätze zur Verfügung, der Kreditrisiko-Standardansatz (KSA), der auf internen Ratings basierende Ansatz (IRBA für „Internal Rating Based Approach“) und die internen Modelle. Die Behandlung von Fonds im KSA ist in Artikel 132 CRR „Risikopositionen in Form von Anteilen an OGA“ geregelt. Dazu zählen Fonds der OGAW-Richtlinie sowie bestimmte Fonds der AIFM-Richtlinie².

Der Art. 132 CRR nennt vier Verfahren, nach denen Institute die Kreditrisiken aus Fondsinvestments im Rahmen des KSA berechnen können:

  • Die Kreditrisikoeinschätzungsmethode nach Absatz (2), für die ein externes Credit Rating des Fonds benötigt wird
  • Den Transparenzansatz nach Absatz (4), bei dem der Fonds in seine einzelnen Investments aufgelöst wird und ein durchschnittliches Risikogewicht aus den Risikogewichten der tatsächlichen Finanzinstrumente des Fonds berechnet wird
  • Den Ansatz des durchschnittlichen Risikogewichts nach Absatz (5), bei dem ein Risikogewicht des Fonds aus den Anlagegrenzen und den Risikogewichten der zulässigen Anlageklassen hergeleitet wird
  • Die Behandlung des Fonds als intransparenter Fonds nach Absatz (1), für den ein Standard-Risikogewicht angewendet wird

Der Das Verfahren nach Absatz (2) findet in der Praxis kaum Verwendung, da so gut wie für keine Fonds ein Credit Rating verfügbar ist. Die Methode nach Absatz (5) ist denkbar; in der Praxis stellt er sich aber insbesondere dann als problematisch heraus, wenn Fonds in wechselnden Anteilen in unterschiedliche Anlageklassen investieren können oder die Anlageklassen so definiert sind, dass ihnen nicht pauschal ein Risikogewicht zugeordnet werden kann. Zusätzliche Schwierigkeiten treten bei Fonds mit einem signifikanten Anteil von Derivaten auf.

Tatsächlich wird für eine Vielzahl von Fonds der Transparenzansatz nach Absatz (4) verwendet, und genau diesem Ansatz dient der Service von IDS. In bestimmten Fällen werden die Ansätze aber auch kombiniert. Sofern sich in den Fonds, für die der Service erbracht wird, selbst wieder in sog. „Zielfonds“ befinden, werden diese häufig als intransparent betrachtet, und es wird das Standard-Risikogewicht von derzeit 100% verwendet.

Fußnoten

 

¹ Da die Institute ihre Fonds in der Regel im sog. Bankbuch bilanzieren, ist die Berechnung von Marktpreisrisiken für Fondsinvestments weitgehend nicht relevant. Ausgenommen davon sind nur das Fremdwährungsrisiko und das Zinsänderungsrisiko im Bankbuch. Darum werden spezielle Reports erstellt, und zwar der Bericht zu den Fremdwährungspositionen, der Cash Flow-Report und die Berechnung von IRRBB-konformen Stresstests. Diese Berichte sind von den hier diskutierten Änderungen aber nicht betroffen und werden nicht weiter behandelt.

 

² "OGA" steht gemäß Art. 4 (7) CRR für Fonds gemäß der OGAW-Richtlinie sowie bestimmter Fonds gemäß der AIFM-Richtlinie. Nicht unter diese Regelung fallen dagegen die "mit besonders hohem Risiko verbundenen Positionen" gemäß Art. 128 CRR, zu denen bspw. Risikokapitalgesellschaften, Positionen aus privatem Beteiligungskapital Beteiligungen an AIF mit hohem Leverage gehören. Deshalb werden Private Equity Funds und Hedge Funds in der Praxis häufig von den Regelungen des Art. 132 ausgenommen. Ebenfalls ausgenommen sind REITs, die wie Beteiligungen zu behandeln sind.

 

Ab Juli 2021 gültige Änderung

 

Im Mai 2019 verabschiedeten Rat und Kommission der Europäische Union die Verordnung 2019/876. Damit brachten sie einige wesentliche Änderungen der seit 2014 gültigen CRR auf den Weg. Einige der allgemein als „CRR II“ bezeichneten Verordnung treten ab Ende Juni 2021 in Kraft und sind erstmals in den Berichten zu berücksichtigen, die im Juli mit den Beständen von Ende Juni 2021 erstellt werden.

Eine dieser Änderungen betrifft auch die allgemeinen Ansätze zur Behandlung von Fondsinvestments bei der Berechnung von Kreditrisiken nach dem KSA. Diese Änderungen sind in der folgenden Abbildung zusammengefasst. Im Einzelnen:

 

  • Die Kreditrisikoeinschätzungsmethode wird es künftig nicht mehr geben, was allerdings von geringer praktischer Bedeutung sein wird.
  • Die Transparenzmethode wird es weiterhin geben. Sie findet sich künftig in Art. 132a CRR.
  • Der Ansatz zur Verwendung eines durchschnittlichen Risikogewichts wird es ebenfalls weiterhin geben. Allerdings ändert sich seine Bezeichnung in „Mandatsbasierter Ansatz“.
  • Selbstverständlich können Fonds auch zukünftig als intransparenter Fonds angesetzt werden. Allerdings ändert sich das Standard-Risikogewicht von 100% auf 1250%.

 

Zusätzlich muss ein Institut dann, wenn es das durchschnittliche Risikogewicht nicht selbst berechnet und dafür auf die Berechnungen Dritter vertraut, das Ergebnis pauschal mit dem Faktor 1,2 multiplizieren. Dieser Aufschlag kann nur dann vermieden werden, wenn der Dritte dem Institut alle Informationen zur Verfügung stellt, die es benötigt, um die Berechnungen selbst vornehmen zu können.

 

 

(Bild 1) Übersicht der Änderungen

 

 

 

Konsequenzen für den CRR CRD IV Service von IDS

Die gute Nachricht: Durch das CRR CRD IV Reporting von IDS stellt der Asset Manager seinem investierten Institut bereits eine Berechnung zur Verfügung, die dem Transparenzansatz entspricht. Und mit dem neuen Disclosure-Report werden bereits seit Oktober 2020 umfangreiche Informationen auf Ebene der einzelnen Investments zur Verfügung gestellt. Er ermöglicht es dem Institut, die ausgewiesene Solvency Ratio nachzurechnen und dadurch den Faktor von 1,2 zu vermeiden.

 

Materielle Änderungen können sich dann ergeben, wenn ein Fonds in nennenswertem Umfang andere Fonds als Investments enthält. Für diese „Zielfonds“ ist dann, wenn keine anderen Informationen zur Verfügung stehen, das Standard-Risikogewicht anzuwenden. Dies wird zu einer Erhöhung der Solvency Ratio des gesamten Fonds führen. Das Ausmaß dieser Erhöhung hängt davon ab, wie hoch die Investments in den Zielfonds sind. Dazu ein kurzes Beispiel:

 

Gegeben sei ein Fonds, der eine Liquiditätsquote von 5% hält und sonst zu unterschiedlichen Gewichten in Aktien, Staatsanleihen entwickelter Länder und Unternehmensanleihen investiert ist. Es sei angenommen, dass die Asset-Klasse Unternehmensanleihen durch das Investment in einem Zielfonds dargestellt wird. Besteht eine volle Transparenz über die Investments im Fonds sowie in dem Zielfonds, dann ergibt sich eine durchschnittliche Solvency Ratio in Höhe von 67%.

 

 

(Bild 2) Beispielrechnung

 

Besteht für den Zielfonds keine Transparenz, ist das Standard-Risikogewicht anzuwenden. Vor Juni 2021 ist somit an Stelle von 50% ein Wert von 100% anzusetzen, wodurch die Solvency Ratio von 67% auf 72% steigt – eine vergleichsweise moderate Änderung. Ab Juli 2021 ist für den Zielfonds dagegen ein Risikogewicht von 1250% anzusetzen. Dadurch steigt die Solvency Ratio des Fonds recht deutlich auf 187%.

Selbstverständlich kann dieses Ergebnis nicht verallgemeinert werden. Es hängt maßgeblich davon ab, wie hoch das Gewicht der Zielfonds in einem Fonds ist. Dabei ist aber nicht das Gewicht des einzelnen Zielfonds, sondern das aggregierte Gewicht aller Zielfonds maßgeblich, denn alle intransparenten Zielfonds werden mit dem gleichen dramatischen Standard-Risikogewicht angesetzt. Insbesondere Dachfonds und Funds of Funds stehen mit dieser Änderung vor massiven Herausforderungen.

 

 

Lösungsansätze

 

IDS ist in der Lage, den Transparenzansatz auch auf Zielfonds in den Fonds der Kunden anzuwenden. Dazu werden allerdings die Daten der Zielfonds benötigt.  

Handelt es sich dabei um Zielfonds, die vom Kunden selbst verwaltet werden, ist eine Auflösung in der Regel recht einfach. Die Zielfonds sind einfach in die vereinbarten Datenlieferungen einzubeziehen, d.h. die Portfolio-, Positions- und Investmentdaten sind in den gleichen Formaten und über die gleichen Prozesse anzuliefern wie die Daten aller anderen Fonds auch.

Werden die Zielfonds von Dritten verwaltet, scheidet diese Möglichkeit in der Regel aus. Aber auch in diesem Fall unterstützt IDS die Anwendung des Transparenzansatzes für Zielfonds. Dazu wird erwartet, dass ein Solvency II TPT in der aktuell gültigen Version zur Verfügung gestellt wird. Das TPT ist ein etablierter Standard für die Lieferung von Fondsinformationen, der von IDS direkt eingelesen werden kann. Um den operativen Aufwand für IDS und damit die Kosten für einen solchen Service möglichst gering zu halten, gehen wir davon aus, dass die jeweils benötigten TPTs von unseren Kunden an IDS geliefert werden.

 

Haben Sie Fragen dazu? Dann sprechen Sie mit uns, wir freuen uns, gemeinsam mit Ihnen passgenaue Lösungen zu entwickeln!